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Spendenmarathon 2020: Unterstützung für Straßenkinder in St. Georg durch KIDS

Obwohl Hamburg zu den reichsten Städten Deutschlands gehört, gibt es auch bei uns Kinder und Jugendliche, die auf der Straße landen, weil sie in sehr schwierigen Lebenslagen stecken. Das KIDS (Kinder In Der Szene) in St. Georg bietet für diese jungen Menschen einen Ort, an dem sie eine Grundversorgung, medizinische Beratung und auch Notschlafplätze bekommen und zusammen mit Sozialarbeitern neue Perspektiven entwickeln können.

KIDS in der Nähe des Hauptbahnhofes als Anlaufstelle

Das Team vom KIDS ist sechs Tage die Woche in der Anlaufstelle in der Nähe des Hauptbahnhofs und auch auf den Straßen Hamburgs für die minderjährigen Jugendlichen ab 12 Jahren da. Im vergangenen Jahr hatten die Mitarbeiter vom KIDS rund 600 Kontakte zu Jugendlichen. Wie hoch die Dunkelziffer der Straßenkinder – die Pädagogen nennen sie lieber “entkoppelte Jugendliche” – ist, ist schwer zu sagen. Laut einer Studie von 2016 gab es damals in Deutschland 7.000 minderjährige Straßenkinder. Für Hamburg liegen keine Zahlen vor.

Jugendliche mit schweren Schicksalsschlägen

Viele der KIDS-Besucher sind Opfer emotionaler Vernachlässigung sowie körperlicher und seelischer Gewalt geworden. Durch psychische Erkrankungen oder Abhängigkeitserkrankungen waren ihre Eltern oftmals nicht in der Lage, sich angemessen um ihre Kinder zu kümmern. Auch Anbindungsversuche an Jugendhäuser, erweiterte Schulangebote oder andere soziale Einrichtungen sind bei den Jugendlichen fehlgeschlagen, sodass sie allein auf sich gestellt sind. In ihrem Alltag können unter anderem Essstörungen, Drogenprobleme, Prostitution und selbstverletzendes Verhalten eine Rolle spielen. Viele der KIDS-Besucher sind zudem Schulverweigerer.

KIDS-Besucher sind sozial entkoppelt

Dadurch dass sie sehr schlechte Erfahrungen mit Erwachsenen gemacht haben, die eigentlich ihre Vertrauenspersonen sein sollten, sind sie sozial „entkoppelt“ und neuen Erwachsenen in ihrem Leben gegenüber extrem misstrauisch, was oftmals auch zu negativen Erfahrungen im Schulalltag geführt hat. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich, den Schulverweigerern unter ihnen ein Alternativprojekt in einer ihnen unbekannten Einrichtung anzubieten oder sie in eine schulische Maßnahme zu zwingen.

Das Projekt “Hirntoaster” soll Hilfe anbieten

Es dauert lange Zeit, bis sich die Besucher des KIDS den Betreuern gegenüber öffnen und Vertrauen fassen. Um diesen sozial abgehängten jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, wieder Spaß am Lernen zu entwickeln, gibt es das niedrigschwellige Projekt “Hirntoaster”. Die betreuenden Lehramtsstudierenden üben weder Druck noch Zwang auf ihre Schützlinge aus. Im Fokus steht, den aufgrund von negativen Schulerfahrungen und Misserfolgen entmutigten Jugendlichen das Gefühl zu geben, dass sie etwas können. Daher sind die Möglichkeiten, die den Teilnehmern nach einem gemeinsamen Mittags-Frühstück angeboten werden, nicht unbedingt klassisch schulisch: Es gibt Spielangebote, die Möglichkeit am PC zu arbeiten, Unterricht am Klavier zu nehmen oder die Gelegenheit zu malen oder zu nähen. Etwas selbstständig und erfolgreich zu schaffen, steht dabei im Mittelpunkt.

Projekt kann Brücke zu schulischer Ausbildung schlagen

Der Hirntoaster bietet neben den Inhalten der Selbsterfahrung und -verwirklichung bei Bedarf aber auch schulische Inhalte an. Manche Jugendliche kommen mit einem konkreten schulischen Anliegen zu den Pädagogen, sei es die Recherche nach einer Schule, einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz o.ä. oder Fragen zu Inhalten wie beispielsweise Mathe/Deutsch/Englisch etc. Einfach weil sie es wollen oder weil sie tatsächlich wieder eine schulische Struktur besuchen.

Normalerweise kommen bis zu 8 Teilnehmer zum “Hirntoaster”

Durch die Coronavorgaben dürfen momentan nur 1 bis 2 Jugendliche gleichzeitig im Projektraum sein. Das macht es nun leider besonders für neue interessierte Jugendliche nicht mehr so einfach, dort unkompliziert vorbeizuschauen und einzusteigen. Es entfällt auch das gemeinsame Frühstück; die Betreuer schmieren stattdessen vorher Brötchen. Das gesamte Projekt ist spendenfinanziert. Für 2021 fehlen noch 28.620 Euro.

Radio Hamburg Hörer helfen Kindern sammelt im Spendenmarathon 2020 insgesamt 14.000 Euro, damit das Projekt “Hirntoaster” weiter finanziert werden kann und Hamburgs entkoppelte Jugendliche die Chance auf ein normales Leben nicht verlieren.